Interview mit Georg zu Bluetooth Low Energy (BLE)

zahlz.box und Smartphone kommunizieren via BLE

  15:37 25.2.2016

BLE - Bluetooth Low Energy

Hören Sie auch ständig diese Abkürzung und fragen sich was es damit auf sich hat? Warum spricht jeder davon und welchen Vorteil hat das eigentlich für mich?

Heute erklärt uns Georg, Softwareentwickler verantwortlich für Schnittstellen bei zahlz, was das Besondere an BLE ist und wo es überall zum Einsatz kommt (natürlich auch bei unserer zahlz.box)

Die Weiterentwicklung von Bluetooth

Bluetooth kennen die Meisten durch die Verbindung ihres Smartphones mit einer Freisprecheinrichtung im Fahrzeug, für verschiedenste Audio-Devices oder schlicht, um Dateien zu verschicken. Funktioniert völlig unkompliziert und jegliche Verbindung mittels Kabeln ist irrelevant. Aber wodurch zeichnet sich nun die Weiterentwicklung BLE aus?

Georg, erklär bitte mal BLE, so dass es für alle verständlich ist?
Die beschriebenen Dinge kann Bluetooth seit der ersten Version. Neue Versionen haben dann die Geschwindigkeit erhöht oder einfachere Verbindungsmodi hinzugefügt. Seit 2009 Zeit gibt es Bluetooth nun in der Version 4, die als wichtigste Neuerung den Modus Bluetooth Low Energy - BLE enthält. Mit BLE ist es zwar nicht möglich, Musik zu übertragen, dafür kann es kleine Datenmengen mit sehr geringem Energieverbrauch versenden. Diese Möglichkeit bieten die Grundlage für Protokolle wie iBeacon.

Was kann man sich unter iBeacon vorstellen und wofür wird es benötigt?
Geräte von der Größe eines Kronkorkens mit einer Knopfzellenbatterie können ihr iBeacon-Signal ein ganzes Jahr senden, ohne aufgeladen werden zu müssen. Diese iBeacons senden in regelmäßigen Abständen ein Bluetooth-Signal in alle Richtungen. Smartphones und andere Geräte mit BLE-Modulen können diese Signale und deren Stärke wahrnehmen. Dadurch können dem Nutzer zum Beispiel ortsabhängig Apps empfohlen werden oder Informationen angezeigt werden. Die Einsatzmöglichkeiten sind damit von Erklärungen im Museum bis Produktinformationen im Shop sehr vielseitig.

Und wie ermöglicht BLE den flexiblen Einsatz der zahlz.box am Point of Sale?
Die zahlz.box nutzt als erstes Zahlungsterminal BLE zur Kommunikation mit dem Smartphone des Kunden. Anders als beispielsweise Near Field Communication - NFC kann BLE sowohl auf kurze als auch auf lange Distanzen bis zu 25 Metern eingesetzt werden. Damit eignet es sich sowohl herausragend für den Einsatz im Innenbereich an der Kasse als auch im Außenbereich, beispielsweise an einem Autowaschportal.

Bisher musste immer ein PIN eingegeben werden, um zwei Geräte sicher zu koppeln. Wie kann die zahlz.box auch ohne diesen PIN die eine sichere Verbindung aufbauen?
Der Abgleich einer PIN zwischen zwei Geräten, die sich per Bluetooth koppeln sollen (auf Pairing genannt), verhindert sogenannte Man-In-The-Middle-Angriffe. Dabei verbindet sich ein Angreifer jeweils mit beiden Geräten, die direkt kommunizieren sollten, und gibt sich als das jeweils andere Gerät aus. Dabei können alle Inhalte mitgelesen und verändert werden.
Wir haben ein Verfahren entwickelt und zum Patent angemeldet, das diese Angriffe verhindern kann und trotzdem keine PIN-Eingabe benötigt. Es basiert auf kryptografischen Verfahren, die beispielsweise auch im Onlinebanking zum Einsatz kommen. So erreichen wir Sicherheit und Einfachheit und ermöglichen dadurch erst den Erfolg der zahlz.box als Zahlungsterminal.

Setzt der Einsatz dieser Technik neuestes Handy-Generationen voraus?
Neuere ja, aber nicht die Neuesten. Beim iPhone starten wir ab 5s mit Touch-ID und aufwärts und bei Android, kommen die Smartphone der letzten 3-4 Jahre dafür in Frage.

Welche weiteren Anwendungsfälle sind zeitnah denkbar?
Dadurch das zahlz eine offene Plattform ist, können wir die meisten existierenden Maschinen und Automaten über das Smartphone steuerbar machen. Wir verstehen uns hier als Authorisierungspartner. Aktuell beschäftigen wir uns in erster Linie mit der Peripherie der Tankstelle, d.h. neben der Waschanlage kommt zahlz auch im Kassenbereich und der Zapfsäule zum Einsatz. In naher Zukunft denkbar sind aber auch Parkautomaten oder Parkschranken. In diesem Anwendungsfall muss das Fahrzeug nicht mehr verlassen werden, sondern die Bezahlung der Parkgebühren und das Öffnen der Schranke kann direkt an der Schranke per Smartphone über die zahlz.app gesteuert werden.

Das kann ich mir das Suchen von Kleingeld zukünftig sparen?
Nicht nur das. Neben dem bargeldlosen Zahlungsverkehr, der viele Vorteile für den Parkhauswächter hat (keine Kassenleerbestände, kein Bargeldtransport mehr etc.), ist es für den Endnutzer vor allem die Bequemlichkeit, die überzeugen wird. Keine langen Warteschlangen am Kassenautomat mehr, kein Suchen nach dem verlorenen Parkticket, kein Aussteigen aus dem Auto … Wir können uns auch vorstellen, als zusätzlichen Service innerhalb der zahlz.app oder unterstützter Apps die genaue Parkdauer anzuzeigen und einen Hinweis bei der nächsten angebrochenen Stunde zu geben.

Wir lieben die Herausforderung und freuen uns darauf, viele derzeit noch simple und wenig conveniente Automaten und Maschinen zu digitalisieren.